April 13, 2024

Lasst uns über Reichtum reden

Coronakrise, Ukrainekrieg, Gaskrise, Inflation – seit 2020 folgt eine Krise der nächsten. Aber für wen gibt es die Krise? Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) beklagt sich über eine schwächelnde deutsche Wirtschaft, doch schaut man sich die Reichtumsentwicklung der letzten Jahre an, gibt es nur eine Richtung und die zeigt steil nach oben.

Oxfam hat eine Studie zur Reichtumsverteilung veröffentlicht. Die zeigt, dass die reichsten fünf Menschen der Welt ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt haben – von 405 Milliarden auf 869 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 14 Millionen Dollar… pro Stunde! Das sind keine Einzelfälle.

Und für Deutschland – welche Krise?

Hier ist es nicht anders. Während die Regierung überall (Bundeswehr, Aufrüstung und Subventionen für die sehr großen Konzerne ausgenommen) den Rotstift ansetzt und für viele das Leben immer schwerer wird, werden die Reichen immer reicher. Ein paar Beispiele, denn man muss die Menschen kennen, von denen man sich die Kohle zurückholen will: Aktuell ist Michael Kühne (Kühne + Nagel – ein Logistikunternehmen) mit 42,2 Mrd. Dollar, ungefähr 38 Milliarden Euro, die reichste Privatperson. Im Jahr 2019 waren es „nur“ 13,5 Mrd. Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) kommt mit 38 Mrd. Dollar auf Platz 2. Auch die Familie Würth (gleichnamiges Unternehmen) mit 27,5 Mrd. Dollar und Stefan Quandt und Susanne Klatten (beide BMW) sind auf dieser Wellenlänge. Tendenz steigend! Wie viele Schulen, Kitas und Sozialwohnungen hätten damit gebaut werden können?

Diese Zahlen sind nur Schätzungen, denn nichts ist ein so gut gehütetes Geheimnis wie die Vermögen der Superreichen. Ein Privileg, das Normalsterbliche nicht haben. Unsereins kommt am Finanzamt nicht vorbei. Und wer ein paar Kröten Sozialleistungen will, muss eh die Hosen runterlassen.

Und die Wirtschaft?

Zwei Drittel der 100 größten deutschen Unternehmen konnten 2023 ihren Umsatz steigern und Gewinne auf Rekordniveau erzielen. Die angeblich krisengeschüttelte Autoindustrie – Volkswagen, BMW und Mercedes – hat zwischen 14 und 16 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Wenn in der Autoindustrie solche enormen Gewinne eingefahren werden, dann ist klar, warum es mit dem Ausbau eines guten und kostenfreien ÖPNV nicht vorangeht…

Die 40 Dax-Unternehmen haben letztes Jahr 52 Mrd. Euro an Dividenden an Aktionäre ausgeschüttet, 2024 soll es genauso viel werden. Im März geben viele Konzerne die Unternehmenszahlen bekannt. Schauen wir also genau hin, wenn von „Gewinnwarnung“ und „Krise“ die Rede ist.

Fehler im System – Reset unmöglich

Tatsächlich braut sich am Krisenhorizont wieder was zusammen. Die Wirtschaft wächst nicht mehr so gut. Aber das ist nur eine der Verrücktheiten des Kapitalismus: Wachstum wird zum Maß aller Dinge.

Sogar Stellenabbau, von dem es wieder einigen geben soll, kann den Wert eines Unternehmens steigern. In der Logik der Aktionäre ist Stellenabbau eine Investition in die Zukunft der Gewinne.

Damit wir nicht auf zu freche Gedanken kommen, dass es doch unsere Arbeit ist, die diesen Reichtum erschafft und wir uns davon was zurückholen sollten, läuft die Propagandamaschinerie auf Hochtouren. Jeder Streik wird zum Vorboten eines Weltuntergangs gemacht und nach einer Beschränkung von Streiks geschrien. Angefangen bei den Geflüchteten soll jeder Euro Sozialleistungen kontrolliert werden. Die Bezahlkarte für Geflüchtete könnte – wenn sie denn schon mal existiert – nach dem Willen von einigen CDU-Politikern auch für alle anderen Sozialleistungen eingeführt werden. Ein Träumchen, ist doch der Weg zur Bezahlung in Naturalien, wie im 19. Jahrhundert, nicht mehr weit. Statt Arbeitslosigkeit abzuschaffen und die viel zu niedrigen Löhne anzuheben, wird auf die Bürgergeldempfänger:innen eingedroschen. Und damit die Jugend gleich weiß, was ihr in Zukunft blüht, sollen mehr Offiziere der Bundeswehr den Krieg an die Schulen bringen, – ehrlich, das ist, was derzeit die Bundesbildungsministerin zur Misere an den Schulen beizutragen hat.

Reden wir also lieber über Reichtum auf der anderen Seite der Klassen. Das ist was positives. Selbst wenn es „der“ Wirtschaft schlechter gehen sollte, heißt das noch lange nicht, dass es deswegen den Reichen schlecht geht.

Eine Beendigung dieses unermesslichen Reichtums zur Lösung aller dringender Probleme ist notwendiger denn je.

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