Dezember 5, 2020

Nachtschicht: Wenn die „innere Uhr“ aus dem Takt gestoßen wird

Die medizinisch wissenschaftliche Fachzeitschrift „Thorax“ veröffentlichte kürzlich Mitte November eine britische Studie zum Zusammenhang von Nachtarbeit und Asthma1. Die Daten von 502.540 Teilnehmenden im Alter von 40–69 Jahren wurden dafür ausgewertet.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler verursachen Schnappatmung:

Im Vergleich zu Beschäftigten mit üblichen Tagesdiensten hatten „permanente“ Nachtschichtarbeiter eine höhere Wahrscheinlichkeit für mittelschweres bis schweres Asthma und Asthma insgesamt. Beschäftigte, die jedenfalls irgendeine Art von Schichtarbeit verrichteten, hatten höhere Quoten von Keuchen/Pfeifen in der Brust. Sowohl Schichtarbeiter, die nie oder selten nachts arbeiteten, und solche, die ständig nachts arbeiteten, hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine reduzierte Lungenfunktion zu haben. Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass Menschen, die als „Morgenchronotypen“ gelten (umgangssprachlich sog. Lerchen) ein höheres Risiko für mittelschweres Asthma hatten, wenn sie ständig in Wechselschicht arbeiteten, einschließlich Nachtschicht.

Der Mensch ist halt keine Maschine.

Wissenschaftler wissen schon lange, dass die meisten menschlichen biologischen Prozesse vom inneren Zeitsystem („innere Uhr“) gesteuert werden. Zyklische Tag/Nachtumgebung, Mahlzeiten, physische Aktivitäten sind „Zeitgeber“ . Die Entwicklung des künstlichen Lichts erlaubte die Ausweitung menschlicher Aktivitäten in die Nacht, und damit auch Arbeit durch die Nacht hindurch. Dieses Ungleichgewicht zwischen unserer inneren Uhr und der Umwelt führt zu zirkadischen Verschiebungen. Wissenschaftler haben den Zusammenhang von Wechselschichtarbeit mit Stoffwechsel- und Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs bereits aufgezeigt: es gibt ohne Zweifel für Schichtarbeitende höhere Risiken daran zu erkranken.

Die neue Studie zu Asthama reiht sich ein in diese Erkenntnisse.

Arbeitswissenschaftler fordern daher schon lange, Wechselschichtarbeit, vor allem Nachtschichtarbeit zu reduzieren, die Chronotypen der Beschäftigten mit zu berücksichtigen und Schichten, wenn denn doch Wechselschicht mit Nachtarbeit unbedingt nötig sein sollte, so zu planen, dass sie möglichst wenig belasten2.

1https://thorax.bmj.com/content/early/2020/11/18/thoraxjnl-2020-215218

2Empfehlungen der Techniker Krankenkasse: https://www.tk.de/resource/blob/2034818/eb069de249c4bdd1f19c02cd8b7bfc98/broschuere-wann-ist-schicht-data.pdf

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