Am Freitag, dem 11. September, gegen 19:45 Uhr, ist in Nordwest-Frankreich ein Regionalzug auf der Strecke von Rouen nach Caen zwischen Tourville-la-Rivière und Cléon entgleist. Der erste der beiden Züge ist aus den Gleisen gesprungen und hat sich mit voller Wucht quer durch das Waldgestrüpp neben den Gleisen gelegt. Von den 186 Fahrgästen an Bord wurden 44 verletzt, darunter eine Person sehr schwer. Der Lokführer, der fast unverletzt war, aber stark unter Schock stand, erzählte, er habe geglaubt, seine letzten Sekunden seien angebrochen. Seine Kollegin, die Zugbegleiterin, befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls im hinteren Teil des Zuges. Sie konnte Notfallmaßnahmen einleiten und den Fahrgästen helfen. Zum Glück war in diesem Zug die Kollegin dabei. Denn entgegen den Behauptungen der SNCF und des Präsidenten der Region Normandie, Hervé Morin, sollten Lokführer:innen niemals allein an Bord sein! Das hätte in diesem TER passieren können, denn die Strecke Rouen–Caen gehört zu jenen, auf denen das mittlerweile möglich ist – aufgrund von Budgetkürzungen und Stellenstreichungen, die gemeinsam von der SNCF und den lokalen Behörden beschlossen wurden, welche die Regionalstrecken verwalten.
Die Entgleisung soll durch ein fünf Meter langes Schienenstück verursacht worden sein, das leicht quer über eine der Schienen des Fahrgleises lag. Es laufen sowohl strafrechtliche Ermittlungen als auch eine Untersuchung durch das Büro für Unfälle im Landesverkehr (BEA-TT). Wie konnte dieses 300 kg schwere Schienenstück auf die Gleise gelangen? Was auch immer der Grund sein mag – sicher ist, dass Budgetkürzungen in allen Bereichen, die die Sicherheit betreffen, potenzielle Unfallursachen sind. Übrigens war es die Vollbremsung des Lokführers beim Anblick des Hindernisses, die einen noch schwereren Unfall verhindert hat.
Für die tausenden täglichen Fahrgäste auf dieser Strecke bedeutet das garantiert eine Menge Ärger. Vor allem aber wollen jetzt alle die Wahrheit über diese Entgleisung wissen – die zweite in diesem Jahr in der Region…

