Juli 17, 2026

Zu heiß zum Arbeiten, zu wütend zum Schweigen

Erst Juni, schon erlebt Deutschland die zweite Hitzewelle dieses Jahr, allerdings diesmal mit Temperaturen, die noch nie in unserer Region gemessen wurden. Für die Nacht zu Samstag meldete Sachsen-Anhalt 29,4 Grad… als Tiefsttemperatur! Und über 41 Grad dann am Samstag in vielen Regionen. Mit dem Klimawandel werden solche Phänomene immer häufiger auftreten. Und zwar selbst dann, wenn endlich der CO2-Ausstoß aufhören würde. Berlin-Brandenburg gehört übrigens derzeit der Platz 1 in Deutschland bei der Zahl der Hitzetage. Endlich mal auf der Eins…

Aber seitens der Regierung und der Chefetagen in den Unternehmen herrscht wieder einmal völlige Unvorbereitetheit und Verleugnung – und so müssen wir uns selbst behelfen. Am stärksten betroffen sind die unteren Schichten, die Arbeiterinnen und Arbeiter. Es kommt nicht in Frage, den von den Kapitalisten verursachten Klimawandel einfach hinzunehmen oder uns „daran zu gewöhnen“ oder uns sogar zu freuen, dass wieder „richtig Sommer“ ist. Es kommt nicht in Frage, dass wir uns mit den Ratschlagen, viel zu trinken und nur nachts die Fenster zum lüften zu öffnen, abfinden. Ratschläge, die in der realen Welt der Arbeitenden lächerlich und arrogant klingen. Wir akzeptieren nicht, dass wieder einmal unsere Leben leiden und unsere Gesundheit gefährdet wird, nur damit nicht die Profite der großen Unternehmen angetastet werden.

Doppelte Belastung: klimatisch und sozial

Laut dem jüngsten Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der ärmsten Bevölkerungsgruppen am stärksten. Kein Wunder: Das gilt international, da die ärmsten Länder am stärksten betroffen sind, aber auch national, je nachdem, welcher sozialen Schicht man angehört. Nicht nur in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, sondern auch auf die Wohnsituation.

Die Arbeiterviertel sind Hitzewellen besonders stark ausgesetzt – die im Winter schlecht isolierten undichten Gebäude verwandeln sich im Sommer in regelrechte Heizkessel. Beton und Asphalt bilden Wärmeinseln, ohne dass es irgendwo Abkühlung gibt – außer in Supermärkten und Einkaufscentern… Für immer mehr Familien und Ältere mit durchschnittlichen oder niedrigen Einkommen, sind die Wohnungen viel zu klein und schlecht zu lüften. Diese Wohnungen sind reinste Backöfen. Und während sogar Freibäder angesichts des Ansturms schließen, werden Golfplätze bewässert und machen es sich die Reicheren gemütlich in ihren klimatisierten Häusern und viel grüneren Umgebungen oder machen sich wahrscheinlich ohnehin aus dem Staub irgendwohin ans Meer.

Deutschland ist ein reiches Land, es ist die drittstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Aber die öffentlichen Einrichtungen sind in einem erbärmlichen Zustand und besonders anfällig für die Hitzewelle sind die Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulgebäude, der öffentlicher Nahverkehr. Busse und Bahnen sind nicht immer klimatisiert oder die Klimaanlage fällt ausgerechnet bei Hitze aus oder Züge fallen ganz aus, weil die Technik zusammenbricht oder ganze Gleise sich unter der Hitze verformen. Leipzig, Würzburg, Nürnberg… Straßenbahnverkehr wurde eingestellt. Sowohl die Beschäftigten im ÖPNV als auch die Fahrgäste leiden unter den Ausfällen und der Überfüllung.

Doch laut einem aktuellen Oxfam-Bericht geben selbst die reichsten Länder nur etwa 10% der Mittel für Anpassungsmaßnahmen aus, die eigentlich nötig wären. Während die großen Konzerne wie TotalEnergies, Shell, BP oder auch Volkswagen, RWE, Heidelberg Materials – um nur einige der Hauptverantwortlichen für den Klimawandel zu nennen – irre Gewinne seit Jahren einfahren, ist angeblich kein Geld da für Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor den Gesundheitsgefahren durch die Hitze. Während den Rüstungskonzernen wie Rheinmetall und Renk die Miliarden in den Arsch geblasen werden, soll kein Geld da sein für klimatisch gute Wohnungen, Schulen, für Parks, Freibäder und Jugendfreizeiteinrichtungen. Really? Die Summe, die heute für Anpassungsmaßnahmen erforderlich sind, sind lächerlich gering im Vergleich zu deren Gewinnen. Aber im Kapitalismus gilt bekanntlich als erste Regel: nie die Gewinne antasten! Never.

Die Erde brennt – Zeit, das kapitalistische System ganz auszutauschen

Angesichts dieser Logik, die die gesamte Menschheit geradewegs in den Abgrund treibt, können nur wir selbst unsere Prioritäten durchsetzen. Der einzige Weg, uns zu schützen, ist, gemeinsam zu reagieren. Anpassung der Tätigkeiten und Arbeitszeiten oder gar nicht arbeiten: Die Beschäftigten sind am besten in der Lage, darüber zu entscheiden. Statt Milliarden für Aufrüstung und Gewinne, Milliarden für die öffentliche Infrastruktur und für Soziales.

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