Oktober 1, 2022

Frankreich: Ukrainische Flüchtlinge und der Empfang durch Eisenbahner

Wie bei der Deutschen Bahn hat die Leitung der SNCF eine Geste der Solidarität gezeigt und beschlossen, dass die Züge für die aus der Ukraine geflohenen Menschen kostenlos sind. Die Mehrheit der Eisenbahner begrüßte diese Entscheidung als richtig und notwendig, jedoch ohne Blindheit gegenüber den verschiedenen Problemen, die das bringt.

Denn bislang waren Flüchtlinge auf den Bahnhöfen nicht willkommen. Der Empfang, der ihnen bereitet wurde, waren die Razzien der Grenzpolizei. Und die SNCF spielte dabei oft ihre Rolle, indem sie die Eisenbahner aufforderte, Migranten bei der Bahnpolizei zu melden. Die Mehrheit hat sich immer geweigert.

Mit der Ankunft der ukrainischen Flüchtlinge änderten sich die Anweisungen: Es wurde nicht mehr verlangt, Jagd auf sie zu machen, sondern ihnen Gratisfahrscheine auszustellen. Die Eisenbahner erhielten Informationsbroschüren, in denen die Tarifdetails erklärt wurden und wie man einen ukrainischen Pass erkennt. Das kann man nur begrüßen, aber … was ist mit den anderen?

Für syrische, eritreische oder afghanische Flüchtlinge ändert sich nichts.

Wenn auf einer „Empfangsstelle“ gleichzeitig ukrainische Flüchtlinge und Flüchtlinge einer anderen Nationalität ankommen, müssten also die einen in den Zug und die anderen in den Polizeiwagen verladen werden. Das Problem stellt sich konkret für viele Eisenbahner, die sich oft weigern, zwischen Flüchtlingen, die aus der von Putin verwüsteten Ukraine fliehen, und solchen, die aus Ländern fliehen, die von Frankreich selbst oder seinen Verbündeten, zum Beispiel Deutschland, verwüstet wurden, zu sortieren.

In Wirklichkeit ist die Solidarität der SNCF mit den ukrainischen Flüchtlingen größtenteils Kommunikation. Die Zugfahrt ist zwar kostenlos, aber es gibt keinen Empfang für diejenigen, die erschöpft ankommen oder nirgends übernachten können, während sie auf ihren Zug warten. Im Anschluss an diese Ankündigung hagelte es übrigens Dienstanweisungen, die den Eisenbahnern untersagten, Flüchtlinge in den Bahnhöfen übernachten zu lassen. „Sie dürfen umsonst gehen, aber schnell“, scheint der wahre Geist dieser Großzügigkeit der Firma zu sein.

Empfang, Unterbringung, Anschlussverbindungen… alle Aspekte des Problems, die die SNCF-Leitung nicht sehen will, werden oft von Eisenbahnern übernommen, indem sie alltägliche Gesten der Solidarität zeigen. Denn die Solidarität als Arbeitende ist von einem ganz anderen Kaliber. Sie ist nicht von imperialistischen Interessen der Industrie und Waffenhändler abhängig. Sie gilt ohne Berechnung für die Arbeitenden aller Länder.

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