‚Man sollte sich für ein dezentes Make-up entscheiden statt für Abendschminke‘, ‚Ihr Bauch darf
nicht sichtbar sein‘, ‚das Gesäß darf nicht eingeengt werden‘, ‚richten Sie die Krawatte sorgfältig zurecht, ‚tragen Sie Kleidung in Ihrer Größe‘: das ist eine kleine Auswahl der erbärmlichen Hinweise, die die TGV-Zugbegleiterinnen und -begleiter in einem von der Geschäftsleitung herausgegebenen 40-seitigen Ratgeber für Stil und Schönheitspflege entdecken durften, der angeblich „die französische Eleganz [die] ebenfalls Teil der DNA der Marke ist, die Sie verkörpern [und die]
jeden Augenblick gelebt, gefühlt und ausgedrückt wird“, zusammenfassen sollte.
Mit einer Einstufung in typische Körperformen (Frau mit dreieckiger Körperform. Mann mit rundlichem Körper und so weiter) und den dazugehörigen unangebrachten Ratschlägen als Zugabe steuerte die Geschäftsleitung geradewegs auf einen Shitstorm zu. Den hat sie bekommen. Angesichts der Reaktionen der SNCF-Kolleg:innen, die erklärten, ihr Körper stehe dem Unternehmen nicht zur Verfügung, zog die Geschäftsleitung den Ratgeber zurück und behauptete sogar, das sei eine unglückliche Einzelinitiative gewesen, von der sie nichts gewusst habe…
Ratgeber, damit die Züge pünktlich sind, für allgemeine Lohnerhöhungen und um das Unternehmen zur Einstellung von Personal zu zwingen, damit das Gemeinwohl wieder in die Zugverbindungen von TGV, Intercités und TER verankert wird – das würde die Bahnangestellten viel mehr interessieren.

