Für Mittwoch, dem 10. Juni, hatte ein Zusammenschluss mehrerer Gewerkschaften die Bahnbeschäftigten zum Streik aufgerufen. Da in allen Berufsgruppen und an allen Standorten die Löhne stagnieren und der massive Stellenabbau die Arbeitsbedingungen verschlechtert, häufen sich seit Monaten lokale Konflikte. Gewerkschafter sprechen sogar von einer Welle an Selbstmorden unter Bahnern wegen des Drucks auf Arbeit. Es ist daher nur logisch, dass dieser Aufruf bei vielen Beschäftigten im Eisenbahnsektor auf große Zustimmung stieß.
Die Gewerkschaft CGT veröffentlichte, dass insgesamt fast die Hälfte der Bahner an diesem Tag gestreikt hat. Zwischen 80 % und 90 % der Zugbegleiter und Lokführer bie der SNCF streikten, in manchen Tochtergesellschaften waren es sogar 90 %, und überall in Frankreich gab es zahlreiche Streikposten. Besonders positiv ist, dass der Streik auch in privaten Tochtergesellschaften wie Transkeo für die Straßenbahnlinien T12-T13 im Großraum Paris oder Transdev in Marseille gut befolgt wurde. Dort, wo die Unternehmensleitung Spaltung herbeiführen wollte, haben die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner aus dem öffentlichen und privaten Sektor mit Einheit geantwortet. Das ist eine wichtige Erfahrung für die Zukunft.
Die hohe Streikbeteiligung an diesem Tag ist umso bedeutender vor dem Hintergrund, dass die SNCF den Bahnkonzern – vergleichbar mit der Deutschen Bahn – in zahlreiche Tochtergesellschaften aufspaltet und man immer öfter die olle Behauptung hörte, dass nur lokale Arbeitskämpfe und Kämpfe jeder Berufsgruppe für sich selbst erfolgreich sein könnte.
Der Erfolg des 10. Juni zeugt also von der Entschlossenheit der Bahnerinnen und Bahner verschiedender Berufe und verschiedener (Tochter)Unternehmen, sich nicht spalten zu lassen. Ein Wille zu einer gemeinsamen Gegenwehr, der sich auch in den zahlreichen lokalen Initiativen zeigte: Etwa fünfzig Beschäftigte versammelten sich bereits um 6:30 Uhr in Lyon zu einer Streikpostenkette, mehrere Hundert demonstrierten in Paris.
Diese gemeinsamen Aktionen sind wichtig, denn nach diesem einen Streiktag stellt sich die Frage nach dem weiteren Verlauf der Bewegung und damit nach dem Aufbau einer Mobilisierung, die stark genug ist, um weitere Kolleg*innen mitzureißen und die Unternehmensleitung zum Einlenken zu bewegen. Diese Frage stellt sich ganz konkret, weil es vor dem Hintergrund heftiger Preissteigerungen bei den Lebenshaltungskosten und einer Reihe von Entlassungsplänen in vielen Unternehmen in Frankreich bereits Arbeitskämpfe gibt: bei Decathlon und Airbus für höhere Löhne, beim Autobauer PSA gegen den Stellenabbau, um nur einige zu nennen. Der Kampf der Bahnbeschäftigten könnte von der gesamten Arbeitswelt in Frankreich unterstützt werden. Unsere Solidarität gilt also den Bahnerkolleg:innen in Frankreich! Lassen wir uns von ihnen inspirieren…

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